Wer kennt das nicht? Ein Hotelzimmer, ein Wohnzimmer oder ein Büro, welches keine Persönlichkeit ausstrahlt. Räumlichkeiten, die kalt und abweisend wirken und eher das Gefühl vermitteln, dass dies zweckgebundene Bereiche sind. Bei einer Maschinenhalle erwartet der Besucher nichts anderes, aber schon ein Büro, und selbst nur abgetrennte Bereiche in Großräumen, besitzen irgendeine persönliche Note und wenn es nur eine Pflanze im Raum ist.

Unpersönlichkeit ist im Grunde kein normaler Wesenszug des Menschen, der als „Gruppentier“ eher darauf aus ist, sich einzubringen und etwas von der eigenen Persönlichkeit zu vermitteln. Nicht umsonst besitzen die ältesten bekannten Botschaften in Form von Höhlenmalereien das beträchtliche Alter von 40.000 Jahren, anzusehen in der El-Castillo-Höhle im Spanischen Kantabrien. Es handelt sich dabei um 25 Handabdrücke unserer Vorfahren, wobei nicht genau geklärt ist, ob es Neandertaler oder der Cro-Magnon-Mensch waren, die so „ihrer“ Höhle ein besonderes Ambiente gaben.

Dem modernen Menschen stehen weit mehr Möglichkeiten zur Verfügung, um Räume mit einer besonderen Note auszustatten, wobei Bilder nach wie vor die beste Möglichkeit darstellen, den eigenen Stil zu präsentieren, ohne dabei viel Raum in Anspruch nehmen zu müssen. Gleichzeitig bieten Bilder aufgrund ihrer zweidimensionalen Struktur die Gelegenheit, hochkomplexe Inhalte darzustellen, was letztlich dazu führte, das der Mensch eine Schriftsprache entwickelte.

Davon einmal abgesehen, bieten Fotos einfach die weitaus größte Variantenvielfalt zur Gesamtgestaltung eines Raumes, um dessen Ausdruck abzurunden. Etwas, was nur mit Möbeln im Grunde nicht möglich ist, weil Möbel trotz aller möglichen Stilrichtungen nun einmal zweckgebunden sind. Ein Tisch ist ein Tisch, ob nun im Biedermeier- oder im Bauhaus-Stil*. Eine Fotografie oder ein Gemälde verfolgen rein technisch gesehen keinen Zweck, zumindest nicht als Wandbild und wenn nicht gerade ein Safe dahinter verborgen ist.

Die Harmonie von Bildern und Möbeln

Aber Möbel und Bilder sollten schon zusammenpassen, weil sonst Irritationen auftreten. Der harmonische Gesamteindruck eines Raumes wirkt sich sowohl auf Besucher als auch auf die Bewohner aus. Dabei können aber auch Gegensätze anziehend wirken, solange diese in den richtigen Kontext gesetzt werden. Ein Beispiel hierfür wäre ein modern eingerichteter Raum mit überwiegenden Grau-Anteilen in der Farbgebung und Möbeln mit einer sachlich-klaren Linie. Hier einen Impressionisten der französischen Schule des späten 19. Jahrhunderts – etwa einen Monet- an die Wand zu hängen, wäre eine zu große Diskrepanz, zumal das Gemälde einen entsprechend verschnörkelten Rahmen verlangt. Wohingegen sich ein abstraktes Gemälde des frühen 20. Jahrhunderts, beispielsweise ein Kandinsky mit einem schlichten Rahmen, sich hervorragend einfügen würde. In der hier beschriebenen Umgebung wäre natürlich ebenso die Verwendung von Schwarzweiß-Fotografien eine Möglichkeit, das Ambiente zu vervollständigen.

Wer sich in den eigenen vier Wänden für den Shabby Chic entschieden hat, könnte wiederum mit dem Monet wesentlich mehr anfangen als mit Fotografien oder einem Kandinsky. Vielleicht aber auch ein Triptychon, ein dreigeteiltes Bild, dessen Ursprung in kirchlichen Darstellungen an Altären zu finden ist, heute jedoch sowohl von Fotografen als auch von Künstlern zur Bildgestaltung verwendet wird.

Aufgrund der Dreiteilung des Inhaltes erhält so ein Triptychon* eine oftmals dominante Wirkung und bietet sich bei einer großen Fläche in einem Raum an, dessen Gesamtwirkung durch mehrere Einzelbilder gestört wäre, das völlige Fehlen eines Bildes jedoch ebenfalls eine Irritation herbeiführen würde. Das menschliche Auge ist immer auf der Suche nach Bezugspunkten. Umso besser, wenn diese Bezugspunkte in einem Raum miteinander harmonieren.
Faustregeln zur Bilderwahl

Bei der Auswahl von Bildern können einige Faustregeln behilflich sein, die sich auf die Geometrie beziehen und sowohl Größenverhältnisse wie Linienverläufe berücksichtigen.

Zum einen sollten sich überwiegend geschwungene Formen und Linien in einer Einrichtung auch in den Rahmen und Bildinhalten fortsetzen, wobei zudem die Materialauswahl der Rahmen von Bedeutung und abhängig von den Materialien des Mobiliars ist. Hier ist es vor allem Holz in seinen verschiedenen Arten und Bearbeitungsformen, welches zur Anwendung kommt. Ganz klar, dass zu diesen Möbeln auch schöne und farblich passende Holzrahmen sehr gut ihre wohnliche Wirkung entfalten.

In der sachlichen Einrichtungsvariante mit überwiegend geraden Linien steht ein wesentlich größerer Material-Mix zur Auswahl, von Kunststoff über Aluminium bis wiederum Holz, aber in diesem Fall ohne Schnitzereien oder der Bearbeitung mit der Drechselbank.

Die Proportionen sind entscheidend

Eine Bildwand* lebt nicht nur von den Rahmen und den Bildinhalten, sondern ebenso von der Harmonie der Proportionen, darum kann hier die vereinfachte Faustregel des goldenen Schnitts angewendet werden, welche besagt, dass die größte Fläche genauso viel Raum einnimmt wie die Anzahl der kleineren Flächen zusammen. Wer also über einem Sofa mit beispielsweise 1 m Höhe und 2 m Länge Bilder aufhängt, sollte deren Gesamtquadratmeterzahl auf 2 m² beschränken.

One Reply to “Wie eine Bilderwand das Ambiente eines Raumes aufwerten kann”

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